Georgien #III: „von der Bürokratie in die weltberühmten Weinberge Grusiniens“

Bis nach Georgien konnte ich visumfrei reisen. Das sollte sich aber mit dem nächsten Land (Aserbaidschan) schlagartig ändern. So war es mal an der Zeit, sich um die bürokratischen Anlegenheiten dieser Reise zu kümmern. Das elektronische Visum für Aserbaidschan war schnell besorgt. Dazu gab ich nur ein paar persönliche Daten schnell im Internet ein und bezahlte um die 25 Dollar. Ungefähr eine Woche später erhielt ich das elektronische Visum schnell und unkompliziert in einer Email.

mein Visum für Aserbaidschan

Nach der Durchquerung Aserbaidschans sollte meine Reise in den Iran führen. Das iranische Visum bekommt man leider online nicht so einfach. Und schon gar nicht an jedem beliebigen Ort auf dieser Welt. Aber einen Teil des Touristenvirumprozesses kann man mittlerweile online erledigen. So füllte ich die entsprechenden Dokumente online aus und begab mich zur iranischen Botschaft. Noch dazu ergatterte ich online eine Referenznummer, welche das wichtigste Dokument zu sein scheint. Nach einem kurzen Temperaturcheck am Eingang der Botschaft -ja, COVID-19 wütete im Iran bereits Ende Februar gewaltig- und der Handyabgabe, war der Weg frei in die Botschaft. Nach einem kurzen Augenblick des Wartens war ich auch schon an der Reihe. Ich überreichte dem Botschafter meine Dokumente und er übergab mir einen kleinen Zettel im Gegenzug. Mit sehr brüchigem Englisch versuchte er mir zu erklären, dass ich nur noch überweisen müsste. Und zwar an einem ganz bestimmten Bankschalter. Addresse Fehlanzeige. Was man auf jeden Fall auch über Botschafter wissen muss, dass diese nur an wenigen Tagen und dann auch nur für jeweils wenige Stunden unter der Woche in der Botschaft anzutreffen sind. So hatte ich ungefähr eine Stunde zeit, um den entsprechenden Bankschalter zu finden. Zunächst irrte ich wirklich total ziellos umher und versuchte mittels Google den entsprechenden Schalter zu finden. Ein Glück erreichte ich nach einiger Zeit einen Kumpel, der mir die Adresse nennen und zumindest den Weg beschreiben konnte. Als ich den Schalter erreichte war es natürlich schon viel spät, um (gebenenfalls) mit der Quittung noch in der Botschaft zu erscheinen. Zumindest wollte ich die Überweisung schon mal tätigen. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich mein Anliegen schildern und tatsächlich konnte ich mit einer Mitarbeiterin in Englisch kommunizieren. Zunächst wurde ein Profil für mich angelegt, welches dann aber autorisiert werden musste. Dazu benötigte man eine andere Abteilung. Genau da lag nun das Problem. Wie ich nämlich erfuhr, war an jenem 151.Tag auf meiner Reise ein georgischer Feiertag. So war es unmöglich die Autorisierung für meinen Account zu erhalten, weshalb ich keine Überweisung an diesem Tage tätigen konnte. Shit… Ich solle doch am nächsten Morgen wieder kommen war deren Antwort. (Ich hätte mich aber auch mal informieren können. 😀 )

In der nun folgenden Nacht schlief ich super unruhig und wachte unzählige Male auf. Mich beschäftigte die ganze Nacht, ob ich denn wirklich in den Iran einreisen solle. Ich wollte unbedingt in den Iran, schließlich sollte es einer meiner persönlichen Highlights auf dem Weg nach Dubai sein. Tatsache war aber, dass die Grenze nach Dubai längst schon geschlossen war. Zumindest für den Moment. War es nun also naiv anzunehmen, dass in einem Monat die Grenze wieder offen sein würde?

Ich informierte mich in dieser Nacht immer mehr über die Beschränkungen, die mich in dem Land schon bereits zu dieser Zeit erwartet hätten. Schlussendlich beschloss ich in dieser Nacht schließlich, am nächsten Morgen nicht zum Bankschalter zu rennen und meine Visumsbewerbung einfach verfallen zu lassen. Keine leichte Entscheidung, aber irgendwie fühlte ich mich erleichtert. Unter den Umständen wäre es sehr sicher keine „richtige“ Iranreise geworden. Wie ich heute weiß, war es die richtige Entscheidung gewesen, welche ich dieses Nachts getroffen habe. Monatelang steckten Reisende im Iran fest; die Grenzen waren zu allen Nachbarländern geschlossen und so hätte ich bis zum Sommer auf jeden Fall im Iran verweilen müssen. Was aber keinesfalls hätte schlecht sein müssen.

Ebenfalls erkundete ich Mzcheta, das religiöse Zentrum Georgiens. Die Kleinstadt liegt etwa 20 km vom Stadtzentrum Tiblisis entfernt, am Zusammenfluss der Flüsse Kura und Aragwi. Herrlich gelegen in einer Talsenke. Zahlreiche Kirchen und Klöster runden das malerische Bild ab. So auch das Dschwari-Kloster (erste drei Bilder), welches die älteste Kreuzkuppelkirche Georgiens (gebaut im sechsten Jahrhundert) ist.

Irgedwann war es dann so weit und ich wollte weiter vorankommen. So verließ ich Tiflis dann Anfang März nach 2 Wochen Aufenthalt in Richtung Aserbaidschan. Gute 20 km später hatte ich dann Tiblisi wirklich schlussendlich verlassen. Auf dem neu gebauten Kacheti Highway kam ich zunächst sehr gut voran.

Fischverkauf am Straßenrand!

Die nächste Etappe sollte mich durch die berühmte Weingegend Kachetien im Osten Georgiens führen. Auf einmal sah ich deutsche Ortsnamen erscheinen. Ich wunderte mich natürlich sofort und fragte mich, was es damit auf sich hat. Die Story dahinter ist dann auch nicht so spektakulär. Vor ungefähr 200 Jahren sind Schwaben nach Georgien ausgewandert und diese ungefähr 20 Orte südlich von Tiflis trugen dann sehr schnell deutsche Namen.

ein bissl Heimat in Georgien

Nach der Großstadt ging es wieder in landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Der Kontrast gefiel mir und so konnte ich mal wieder etwas mehr abschalten.

Endlich sah ich dann auch mal die ersten Weinberge! Aber nicht in Steillage! Vielmehr lagen die Weinberge wie ein Feld vor mir.

Je näher ich der georgisch-aserbaidschanischen Grenze kam, desto offensichtlich rückständiger wurden die Gebiete. Trotzdem zog mich die Szenerie in ihren Bann. Eine riesige grüne Ebene lag nun vor mir und wurde im Hintergrund von schneebedeckten Gipfeln des Kaukasus begrenzt.

Mit wirklich tollen Impressionen aus Kachetien bog ich nun auf die „Zielgerade“ zum Grenzübergang ein. Die Straße war wirklich schnurgerade und Aserbaidschan sollte leider mein letztes neues Land (vorerst) sein, weshalb die Metapher sehr gut passt. Die ersten kleineren Probleme gab es direkt an Grenze. Nicht auf der georgischen Seite, sondern auf der Anderen. Wie es in Aserbaidschan weiter geht, erfahrt ihr bald.

UND! Georgien war definitiv ein tolles, verrücktes und interessantes Land, in welchem es noch unglaublich viel zu entdecken gibt. Neben den Naturschönheiten, wie dem Kaukasus oder anderen Nationalparks, kann man in Grusinien auch sehr viele historische Sehenswürdigkeiten bestaunen. Ich werde bald mal wieder vorbeischauen!

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