
Da Sia schon jeden Tag sehr früh mit der Arbeit beginnt, konnten wir uns zunächst nicht verabschieden! Um trotzdem „good bye“ zu sagen und mir selbst gebackene, frische und warme Brote zu überreichen, nahm er extra seine Mittagspause am frühen Vormittag und kam deshalb nochmal kurz zurück in seine Wohnung. Grandios! Überwältigend!
Ich träumte schon seit vielen Jahren davon, die grandiosen Tuffsteinlandschaften Kappadokiens rund um das Zentrum Göreme hautnah zu erleben. In Aksaray war ich wirklich so kurz davor, mir einen meiner Träume zu erfüllen!
Göreme kann man von Aksaray über zwei Wege erreichen. Es gibt eine direkte, gut ausgebaute Schnellstraße nach Nevsehir; von da sind es dann noch in etwa 10 km nach Göreme. Ich entschied mich aber für eine nicht ganz so direkte Verbindung; entlang dieser Straße sollten aber einige Attraktionen auf mich warten. Obendrein beinhaltete diese Zwischenetappe deutlich mehr Höhenmeter.

Sehenswürdigkeiten der Region Aksaray/ Kappadokien
Zunächst wollte ich den zweithöchsten Berg Zentralanatoliens (Anatolien zu deutsch = Osten; entspricht dem asiatischen Gebiet der Türkei), einen inaktiven 3300 m hohen inaktiven Vulkan bewundern. Angesprochener Vulkan, der Hasan Dagi, ist maßgeblich für die umliegenden Felslandschaften, aufgrund zurückliegender Eruptionen, verantwortlich.

Doch das Winterwetter wollte mir einen Strich durch diese Rechnung machen, weshalb beim Erreichen der ersten Ausläufer des Vulkans ein Schneesturm aufzog.

Schneefall incoming 
Schneefall incoming

Die nächste Sehenswürdigkeit, die ich erreichen wollte, war das Ihlara-Tal. Dieses schluchtenartige Tal entstand ebenfalls durch vulkanische Aktivitäten des Hasan Dagi. Das Tal erlangte seine Berühmtheit durch Aktivitäten byzantinischer Mönche, die Kirchen und Behausungen in den Felsen anlegten/ bauten.
Auf dem Weg dahin lag ich auch das erste Mal, samt Fahrrad, auf spiegelglatter Fahrbahn. Aufstehen; schütteln – Es geht immer weiter!
Durch das Befahren der gefrorenen Straßen – inklusiver wunderbarer gefrorener Spurrillen – waren kleinere Stürze natürlich vermeidbar, aber teilweise unumgänglich. Ganz klar war in dem Moment meine eher schmale Bereifung nicht von Vorteil; so wurde jede Bewegung nach Links oder Rechts zu einer möglichen Rutschpartie; Kurven mussten im großen Bogen gefahren werden und durften nicht zu scharf geschnitten werden. Ein klirrend kalter und starker Ostwind, leichter Schneefall und die Auseinandersetzung mit größeren freilaufenden (Wach-)hunderudeln machten den Tag zu einem echten „Vergnügen“!

Als ich am Taleingang ankam, war es leider schon um 15 Uhr. Bis zur anbrechenden Dunkelheit waren es lediglich noch zwei Stunden, so machte es wirklich wenig Sinn noch in das sehr langgezogene Tal hinabzusteigen – die kurzen Tage waren für mich neben der Kälte eines der größten Probleme beim Fahrrad fahren im Winter – und so blieb mir nur die Möglichkeit einiger Aufnahmen von außerhalb und die Vorstellung, wie es denn im Tal aussehen würde. Vielleicht kann ich irgendwann im Sommer mal noch das Ihlara – Tal besichtigen….
Zudem war das Tal verschneit, weshalb ich mich zur Weiterfahrt schlussendlich entschied. Als Nächstes wollte ich eine unterirdische Stadt besichtigen – die „Gaziemir underground city“. Sie soll wohl die einzige unterirdische Stadt mit integrierter Karawansarei weltweit sein. Für umgerechnet 1,60 € (10 Lira) hatte ich die Möglichkeit einen Blick in „eine neue, unterirdische Welt zu werfen“.
Ich bin wirklich ganz ehrlich, aber umgehauen hat mich das Gesehene nicht! Es gab insgesamt zwei Bereiche, die man besichtigen konnte. Diese waren nicht miteinander verbunden. Der eine Teil war wirklich komplett unbeleuchtet und beinhaltete nur einige Räume, welche tatsächlich unterirdisch lagen; der andere Teil der City verfügte über verschiedene Räume, in denen das tägliche Leben stattgefunden haben muss (Brunnen, Schlafräume, Gefängnis, Weinkeller, Ställe..). Allerdings wurden alle Räume über eine Art Marktplatz verbunden, der oberirdisch lag! Für mich kann deshalb nicht wirklich die Rede von einer unterirdischen Stadt sein! Trotzdem war es eine nette Erfahrung, diesen Ort frühzeitlichen Lebens gesehen zu haben!
Nach der Besichtigung nahte auch das Ende des Tages. Da es die Nacht wieder sehr kalt werden sollte, wollte ich wenigstens etwas Schutz vor dem kalten Wind haben. Also fragte ich im Supermarkt (Kaufort des Tickets) nach, ob sie vielleicht eine Idee hätten, wo ich schlafen könnte. Keine Minute später wurde ich in dem eigentlichen offiziellen Tickethäuschen mitten im Ort einquartiert. Ich war euphorisch, ob der freundlichen Hilfe und schließlich sollte ich ja auch vier feste Wände diese Nacht um mich herum haben. Der Raum war zu klein, um das Zelt aufzubauen und so hoffte ich einfach mal, dass die dünne Holztür genügend Isolierung bietet. Doch schon sehr bald wurde es in dem Raum wirklich kalt und ich vermisste mein „etwas wärmehaltendes Zelt“ um mich herum..

Die Nacht schlief ich dann auch nicht so wirklich gut, da die Temperatur im Raum vermutlich irgendwann der Außentemperatur entsprach. Zudem verlor meine Luftmatratze über Nacht offentsichtlich Luft, weshalb es auch keine Isolation gegenüber dem Boden gab.

Doch nicht nur aufgrund der Kälte wachte ich mehrmals auf! Frühs gegen 5:30 Uhr versuchte plötzlich eine Person die Tür zu meinem Schlafplatz kräftig zu öffnen. Da ich keinen Schlüssel zum Abschließen bekam, stellte ich mein Fahrrad genau vor die Tür. Man brauchte nun schon einige Kraft, um die Tür zu öffnen (zusätzlicher Gedanke: das umfallende Fahrrad würde mich spätestens wecken). Doch aufgrund des Lärms wurde ich umgehend aus dem Schlaf gerissen, doch bevor ich reagieren und aus dem Schlafsack kriechen konnte, flog auch schon das Fahrrad auf mich!
Ich wusste natürlich in dem Moment absolut gar nicht, was gerade vor sich ging und war voller Adrenalin! Die Person hatte die Tür mittlerweile soweit öffnen können, dass er in den Raum treten konnte – während ich in meinem Schlafsack mittlerweile unter meinem Fahrrad begraben lag. Aufgrund der sehr vehementen Türöffnung rechnete ich natürlich mit dem Schlimmsten und erwartete einen Überfall, schließlich gab es in dem Raum wirklich rein gar nichts, außer ein paar Stühlen und leeren Kisten – und eben meinem Hab und Gut.
Doch auch die Person war anscheinend genauso überrascht wie Ich – zu meiner Überraschung. Auch sie scheint mit keinem schlafenden Radler in dieser Jahreszeit, noch dazu in diesem Kassenhäuschen gerechnet zu haben. Nach einem kurzen Momentum, wo niemand etwas sagen oder tun konnte, schnappte sie sich nur flink die leeren Kisten und verschwand genauso schnell wieder in der Nacht…ich hörte noch einen Motor anspringen und ein Auto fuhr davon.
Mein Gehirn ratterte immer noch „weiß Gott wie“ und das Adrenalin schoss durch meine Blutbahnen. Aber ja; die Person ist weg! Nichts ist passiert! Ich richtete mein Nachtlager wieder ein, platzierte das Fahrrad wieder vor der Tür, entspannte mich und wollte gerade wieder schlafen, als sich die nächste Person an der Tür zu schaffen machte….
Dieses Mal agierte die Person aber nicht ganz so vehement und tat sich bei der Türöffnung schwieriger. Ich hatte dieses Mal genug Zeit, um aus dem Schlafsack zu springen und mich dem Eindringling entgegen zu stellen.
Vor mir Stand ein Mann, der Kisten voller Brot brachte…
Im selben Augenblick verstand ich die letzten Minuten und Geschehnisse auf einen Schlag! Da in den zuvor „entwendeten“ leeren Kisten einige Brotkrümel drinnen lagen, wurden zunächst also die leeren Kisten abgeholt und anschließend volle Kisten geliefert! WOOOOOW! Ich schlief also in dem „Brotlagerraum“ für den nebenan gelegenen, kleinen Supermarkt des Ortes! Sämtliche Anspannung war natürlich sofort verflogen! Gefährlich war die Nacht also keinesfalls für mich!
Und wieder einmal trifft ein Satz zu 100000% zu: HINTERHER IST MAN IMMER SCHLAUER!
Nach einer wirklich kurzen Nacht wollte ich am nächsten Tag Göreme erreichen. Noch waren 90 km auf dem Tacho!
Zunächst ging es noch für einige Kilometer etwas hügelig durchs Land! Zum Glück kam die Sonne heraus.

Kurz vor dem Erreichen des Sees Narligöl war ich offiziell endlich in Kappadokien.

Am See wurde ich dann auch sehr sehnsüchtig von einem Hunde-Rudel erwartet; zum Glück waren noch andere Personen gerade anwesend, weshalb sich die Konzentration der Hunde auf alle Personen verteilte.
In dem Moment öffnete sich die Wolkendecke etwas und es entstand wie ein Tor zum Himmel! Der blaue Himmel spiegelte sich prächtig im See – da störten mich die Hunde dann auch wenig. Der See war wirklich ziemlich cool gelegen!

Mich faszinierte die Landschaft bei diesem Wetter; auch wenn diese zumeist schneebedeckt war!
Wie auf den Bildern zu erkennen ist, verlor ich in Richtung Göreme kontinuirlich an Höhe. Seit langer Zeit sah ich mal wieder im Ansatz grüne Wiesen…
Kommt denn der Frühling schon?!
Die Antwort nehme ich euch mal schnell vorweg: NEIN!
In Nevsehir besuchte ich noch schnell die Burg, bevor ich die letzten 10 km nach Göreme noch strampeln musste. Um zur Burg zur gelangen, gab es noch einen kurzen und ziemlich knackigen Anstieg abzuhaken. Und auch die letzten Meter zu Fuß waren sehr abenteuerlich, denn alles war gefroren und schneebedeckt. Fußwege gab es zudem auch nicht wirklich, diese wurden nur von vorigen Besuchern festgetrampelt. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Burg auch gar nicht geöffnet hatte. Eine wirklich spektakuläre Attraktion sollte ich aber nicht verpasst haben.

Umso mehr genoss ich stattdessen die Aussicht, die sich mir über Nevsehir bot.
Vom letzten kleineren Ort Uchisar ging es für 2-3 km nur noch berg ab nach Göreme. Glücklicherweise kam ich zur Sonnenuntergangszeit in Uchisar an und so konnte ich noch ein paar schöne Bilder von Göreme und der gesamten Area knipsen! Im wahrsten Sinne des Wortes konnte ich einen Ausblick „auf das nun Kommende“ erhaschen.
Kaum war ich in Göreme – einem lang ersehnten Ziel – war ich krank! Eine Mandelentzündung inklusive Fieber band mich erstmal für mehr als eine Woche ans Bett. Wahrscheinlich hat mein Immunsystem dem kräftigen, kalten Ostwind (Gegenwind) irgendwann kapituliert…
Doch (fast) jede Krankheit geht zum Glück vorüber. Dadurch hatte ich doch noch die Möglichkeit mich im „Zentrum Kappadokiens“ umzusehen! Bilder der verschiedenen Wanderungen, durch die unterschiedlichen Täler und Höhlen, der zum UNESCO- Weltkulturerbe gehörenden Tuftsteinlandschaften seht Ihr im nächsten Post!
















