Türkei #II: Rein in die Zentralen der Türkei!


Istanbul ist aufgrund seiner Nähe zur Marmara-See auch in den Wintermonaten ein vergleichsweise „warmer“ Fleck in der Türkei. Mir war also klar, dass wenn ich Istanbul hinter mir lasse, mich auch die milden Temperaturen für unbestimmte Zeit verlassen werden.

Rauf ging es also auf das richtige türkische Festland. Die erste Etappe führte mich aus Istanbul heraus, wobei die Ausfahrt nur minimal entspannter war, wie die Einfahrt über die europäische Seite. Auch in Asien gibt es schließlich viele Fahrzeuge, deren Fahrer alle die Breite ihres Gefährts kennen und auch im Benutzen des Gaspedals spitze sind. 😉

Rechts gab es manchmal doch ein bissl Platz…

Trotzdem kam mir diese Seite Istanbuls entspannter zum Fahrrad fahren vor. Vielleicht täuscht mein Eindruck aber auch einfach nur…

Gegen 18:30 Uhr erreichte ich dann Izmit. Dort traf ich auf Yasir, den ich ebenfalls vor viereinhalb Jahren bei meiner ersten Türkei-Fahrradtour kennengelernt habe. Er studierte mittlerweile in Izmit, lebte dort in einer Wg und so lernte ich gleich noch ein paar Kumpels von ihm kennen. Obwohl er am nächsten Tag eine Prüfung hatte, war er sich nicht zu schade, um Zeit mit mir zu verbringen! Wir trafen uns in der Stadt, tranken einen Kaffee und machten uns dann zu ihm nach Hause. Er schlug vor, dass wir ja einen Bus für den Nachhauseweg nehmen könnten. Ich schaute auf die Karte und dachte nicht im Leben daran, für die 1,5 km den Bus zu benutzen. Im Nachhinein weiß ich, weshalb er den Vorschlag machte und das bestimmt nicht aus blanker Faulheit. Es ging nämlich fast 1,5 km bei 18%-Steigung bergauf. Am Ende des Tages durfte ich mich also nochmal richtig schön austoben… 😅

Bis zum nächsten Mal mein Freund!

Die Stadt Izmit bildet mit mehreren anderen Städten einigen riesigen Ballungsraum am östlichen Ende der Marmara-See. Vorrangig sind dort Industriebetriebe angesiedelt. Schon sehr früh am Morgen konnte man, vom Balkon der Wg herabblickend, die hinter dem Ballungsraum gelegenen Berge nur noch erahnen.

schöne Sonnenaufgänge kann man hier definitiv erleben

Zelten im Winter – „endlich“ darf ich es ausprobieren

Am nächsten Tag nahm ich mir vor, Düzce zu erreichen. Die Etappe war für die Kürze der Wintertage und all dem Gepäck wieder etwas zu ambitioniert, weshalb ich schon bald hinter Hendek mein Zelt aufschlug. Wie würde wohl die erste Nacht bei mittleren einstelligen Minusgraden im Zelt werden?

Kaum war die Sonne am untergehen, wurde es sehr schnell sehr frisch. Ein schöner Sonnenuntergang sorgte für die letzte Erwärmung meines Gemütes an diesem Tag.

Ein super schönes Rot..
Zum Glück schien die Sonne am Morgen!

Weiter ging es in Richtung Düzce. Nach einer kurzen Rundfahrt durchs Zentrum ging es wieder zurück auf die Hauptstraße in Richtung Bolu.

Haupt-Moschee von Düzce

Vor Bolu lag noch ein Pass, der überwunden werden musste. Auf der ca. 8 km langen Auffahrt erreichte ich auch die Schneegrenze; auf dem Pass sah ich wunderschön verschneite Wälder. Den Winter hatte ich nun endgültig eingeholt – oder er mich?!

Ich fuhr über das Universitätsgelände von Bolu und wurde kurzerhand von Tunahan angesprochen. Er war mal Radrennfahrer für ein deutsches Team, sprach noch sehr gut deutsch und verdiente nun sein Geld als Snack-Automatenauffüller der Unigebäude. Spontan stattete er mich mit einer Auswahl an Snackallerlei aus seinen Automaten aus; obendrein genossen wir noch einen Kaffee zusammen im Unigebäude. Alle Studenten waren doch recht erstaunt, als ich auf einmal im Raum stand und starrten mich an. Dabei könnte ich doch auch noch Student sein?! 😮

mit Tunahan

In Bolu konnte mir auch niemand spontan einen Schlafplatz anbieten und so musste ich wieder das Zelt aufbauen. Dieses Mal fand ich einen leeren Rohbau und so war ich wenigstens vor dem Wind etwas geschützt.

Rohbau-Zeltplatz am Stadtrand

Am Ortsausgang kam ich an einer riesigen Barilla-Fabrik vorbei. Die Sehnsucht nach der italienischen Küche trieb mir das Wasser förmlich im Mund zusammen. Ach eine leckere Lasagne oder eine Pasta das hätte doch jetzt was…

Doch soweit wie ich von Italien entfernt war, soweit war ich auch davon entfernt mir bei der Kälte eine Pasta zu kochen. Ich bin ja schließlich in der Türkei, um die türkische Küche zu testen!

Es wurde nun wirklich mit jedem Meter merklich kälter und diesiger. Zeitweise habe ich nicht weiter als 50 m schauen können. In Gerede war ich dann auf über 1400 Höhenmetern angelangt und hatte das erste Mal kurzzeitig gefrorene Straßen. Da ließ man die Füße lieber auf den Pedalen, als sie auf den eisigen Boden zu stellen…

Hinter dem Ort Gerede ging es erstmal einige Zeit relativ eben weiter. Doch schon bald kam ich in ein dick verschneites Waldgebiet und habe am Ende einen Pass auf 1600 m überqueren dürfen. Da es schon allmählich dunkel wurde, war da oben Temperaturmäßig die Hölle los und es schneite ordentlich. Zudem blies der Wind einem wunderbar entgegen. Ihr könnt euch sicherlich gut vorstellen, wie viel Spaß ich in dem Moment hatte und obendrein stand noch eine knapp 10 km lange Abfahrt nach Kizilcahamam vor mir. Mir ist am Ende des Tages dann wirklich fast alles abgefroren…

On top

Doch ich erreichte – lebendig – Kizilcahamam. Und nun musste ich irgendwie mal wieder schnell eine Unterkunft finden. Doch wie es manchmal so kommt, muss man garnet suchen, sondern die Unterkunft kommt einem förmlich entgegen geflogen. So wurde mir noch auf der Straße ein wirklich unschlagbarer Preis vorgeschlagen und für 6 Euro konnte ich letzten Endes in einem Art Studentenwohnheim (Ögretmenevi) schlafen.

Ich lernte einige Studenten im Wohnheim kennen, konnte mit Ihnen Abendbrot essen und anschließend brachten sie mich noch zu einem türkischen Bad. Die Gegend um Kizilcahamam ist bekannt für ihre Thermalbäder (türkisch = Hamam). So planschte ich für gute 10 Minuten bei +42 Grad Wassertemperatur im Becken; die Luftfeuchte in dem Raum war höher als im tropischsten Regenwald und so merkte ich doch meinen Kreislauf ein wenig. Zwischen Minusgraden und +42 Grad können manchmal nur wenige Sekunden liegen; selbst in der Türkei, obgleich man diese Temperaturunterschiede eher nördlicheren Breitengraden aufgrund ihrer Saunakultur zuordnen würde.

Einer der positiv verrückten Türken hat sogar auf mich vor dem Hamam gewartet und lud mich noch auf zwei, drei warme Tees ein. Als wenn es im Hamam nicht schon warm genug war… 😅

die Temperaturschwankungen haben meine Durchblutung gut angeregt

Doch dieses winterliche Waldgebiet war nicht nur grauenvoll. Die Winterlandschaft war echt schön und obendrein stoppten Eyüp und seine Frau Meltem mit ihrem Auto und luden mich zu sich in Ankara ein. Ich hätte spontan im warmen Auto mitfahren können, doch mein Sportgeist hinderte mich am Einstieg. Soweit war es ja schließlich nicht mehr nach Ankara!

Am nächsten Tag wollte ich Ankara erreichen und die Einladung der zwei auch wirklich annehmen.

Je näher ich der Hauptstadt kam, desto weniger Schnee lag um mich herum. Ebenfalls begleitete mich die Sonne den ganzen Tag und so machten die nächsten 100 km auch gleich viel mehr Spaß.

leuchtende Grüntöne Mitte Januar

Ankara – was soll ich sagen?! Du bist aufjedenfall sehr hügelig und für Städteplaner/ Geographen interessant!

Mehr dazu im nächsten Beitrag! Save travels all the time!

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