Türkei #I: Übergang von EUROPA nach ASIEN


Griechenland verließ ich Mitte Dezember bei traumhaften Wetter in Richtung Türkei. Die Überquerung der Grenze gestaltete sich abermals entspannt und so war ich nach kurzer Zeit in der Türkei. Der türkische Grenzposten hatte sich in den letzten 4,5 Jahren in eine riesige Baustelle verwandelt; ebenso waren beide Grenzen deutlich stärker gesichert. Nach wie vor findet Migration – begünstigt durch Schlepper – durch den Grenzfluss Evros, statt.
Die ersten Kilometer in der Türkei führten mich durch eine Ebene. Diese lag im Licht der untergehenden Sonne prachtvoll vor mir.

In Ipsala schnappte ich mir noch schnell etwas warmes zu essen und begab mich auf die Suche nach einem Spot für die Nacht.

Türkische Gastfreundschaft
Nicht allzu lange ließ auch die erste Einladung auf einen türkischen Tee warten. Es existieren wahrscheinlich nur sehr wenige Getränke auf dieser Welt, auf welche man häufiger eingeladen wird. Und vor allem jetzt im Winter gibt es kein besseres Geschenk, als einen warmen Tee. 🙂
Gleichzeitig entsteht beim Teekonsum für die Einheimischen – einfach und schnell – die Möglichkeit in entspannter Atmosphäre ihre vielmals im Ausland erworbenen Deutsch-/Englischkenntnisse zu reaktivieren.

Die Einfahrt nach Istanbul: nichts für schwache Nerven
In Richtung Istanbul ging es, Tekirdag passierend, hügelig weiter. Zwar waren die Anstiege maximal wenige Kilometer lang, doch die Vielzahl hatte es in sich. Ich hatte mir vorgenommen, startend in Tekirdag, Istanbul an einem Tag zu erreichen und halb zu durchqueren. Gute 165 km lagen also am 18.12.2019 vor mir. Schließlich wollte ich bis in den asiatischen Teil von Istanbul gelangen und dort nach 4,5 Jahren meinen besten türkischen Kumpel wieder besuchen. Was 2015 ganz zufällig in einer Mittagspause in einem kleinen Örtchen namens Pinarhisar auf dem Weg nach Istanbul entstand, konnte dank Social Media bis heute konserviert werden. Danke nochmals Gökham und Okan für Eure großartige Gastfreundlichkeit!

Um zu begreifen, welche Dimensionen so eine Mega – City tatsächlich einnimmt, dafür muss man erst einmal durchgefahren sein. Ab Silivri – mindestens 60 km bis zum Istanbuler-Stadtzentrum – begann der absolute Großstadtdschungel.

Und grüne Flecken? Fehlanzeige! Eine Vorstadt reihte sich an die Nächste! Die meiste Zeit während der Einfahrt bewegte ich mich auf drei bis vier spurigen Straßen, obendrein enterten alle paar Meter Zufahrtsstraßen die Main – Road. Mehrere tausend Fahrzeuge dürften mich schätzungsweise an dem Tag überholt haben und zum Glück waren nur sehr wenige LKWs unter ihnen. Ich war aufjedenfall heilfroh und erleichtert, als ich bei anbrechender Dunkelheit das Zentrum erreichte. Wer eine geballte Ladung Adrenalin benötigt, der möge sich doch einfach ein Radl schnappen und ein bissl in Istanbul umhergurken.;)

im Zentrum angelangt…

Auch muss man leider auf langen Trips immer wieder Opfer erbringen. Dieses erwischte es mein Hinterrad – wiedereinmal. So waren am Ende der Etappe mehrere Speichen gebrochen, die ich zwar hätte austauschen können, ebenfalls war aber auch die Felge an zwei Stellen aufgebrochen. Um weiterhin sicher unterwegs zu sein, musste ich diese nun erstmal schnellstmöglich austauschen. Zum Glück hat das Hinterrad an dem Tag durchgehalten! Ich will überhaupt nicht dran denken, was passiert wäre, wenn das Hinterrad einfach in sich zusammengebrochen wäre, als ich mich in die Abfahrten des Großstadtdschungels warf…

kaputte Hinterradfelge

DIE MEGA – METROPOLE AM BOSPORUS

Die Metropole Istanbul fasziniert mich aufgrund seiner Größe und Vielfältigkeit seit jeher. So bestehen Stadtteile wie Taksim, Galata, Besiktas oder auch Kadiköy, die aber auch so gar nicht die Klischees (muslimisch, wenige Freiheiten, traditionell) über die Türkei widerspiegeln. Besonders des nachts verwandelten sich eben jene Areas in westlich – liberale und exzessive Gebiete. Um dem ganzen etwas Einhalt zu gebieten, sah man viel Polizei. So habe ich auch miterlebt, wie die Polizei nachts um vier Uhr Clubs leerräumte, da die Veranstalter nur bis viere geöffnet haben durften.
Besonders in der zum Taksim-Platz führenden Istikgal-Straße kann man eigentlich alles was das Herz begehrt finden. Von Kirchen, über Moscheen und deutschen Cafés bis hin zu allen weltweitagierenden Fast – Food – Unternehmen.

Auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten habe ich ein zweites Mal aufgesucht. So spazierten Gökham und ich einige Kilometer in der Istanbuler Innenstadt herum. Neben dem Besuch der blauen Moschee, in der leider das Dach gerade restauriert wurde, suchten wir auch den großen Basar auf. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Händler dort ihre Waren verkaufen wollen….

Allgemein fasziniert es mich zu sehen, wie die Infrastruktur (öffentlicher Nahverkehr/ Personentransfer/ Versorgung) in einer so gewaltigen Stadt funktioniert. Jeden Tag tummeln sich – Schätzungen zur Folge – bis zu 17-18 Millionen Menschen in der Bosporus-Metropole….
Jeder fünfte Türke lebt in Istanbul!

Dank Gökham bekam ich auch einen besseren Zugang zur heimischen Speisen- und Getränkewelt. Wer denkt ein frisches, leckeres, prickelndes und natürliches Mineralwasser in der Hand zu haben, der kann manchmal schwer enttäuscht sein, ob des tatsächlichen Geschmacks. Diese optisch wie Wasser aussehenden Wässer enthalten so viel Zucker, dass einem förmlich schlecht wird. Vielmehr ähnelt der Geschmack des eines übersüßtem, chemischen Kaugummi. Yummy! Und es gibt zahlreiche Marken, die solche „Wässer“ produzieren. Aber schaut euch das Zutatenverzeichnis selbst an…..

leckeres „Mineralwasser“? – Fehlanzeige!

Was ist für mich das absolut Nervigste am Rad fahren?

WILDE HUNDEHORDEN!
Auch in der Türkei gibt es wieder zahlreiche Straßenhunde, die aber im Gegensatz zu Griechenland etwas weniger aggressiv gegenüber Fahrradfahrern sind.

Griechenland hat für meine Begriffe jegliche Kontrolle über die Straßenhundproblematik verloren. Es gibt ja schließlich größere Probleme….
So leben die Tiere entweder zu hunderten in maroden Zwingern auf engstem Raum oder werden sich ihrem Schicksal selbst überlassen. Hinzu kommt das zahllose Griechen, vor allem außerhalb der Städte ein, zwei, drei oder gleich vier Wachhunde „brauchen“. Aufgrund fehlender Kastrierung vermehren sich die Tiere auch noch ungemein schnell. So las ich Zahlen im Internet, wobei eine einzelne Hundemum innerhalb von fünf Jahren der Ausgangspunkt für mehrere Tausend Hunde sein kann. Und das grade mal in fünf Jahren!
Ihr merkt, das Hundethema brennt mir mächtig auf der Seele. Auf der einen Seite tun mir die zahllosen Hunde einfach nur leid; auf der anderen Seite ist es mächtig nervig sich ziemlich häufig mit wilden Hunderudeln auseinander setzen zu müssen. Doch zurück in die Türkei. In der Türkei gibt es einen besonders großen Hund: den Kangal-Schäferhund. .

Bewacher der Türkei?

Im Gegensatz zu Griechenland sind auch mehr Tiere mit einem Chip im Ohr versehen, sodass von einem sehr groben Überblick über die Anzahl der Vierbeiner ausgegangen werden kann.
Ganze Bücher lassen sich zu dem Thema schreiben. Über Voll- und Teilzeit – Streuner; über ein unwürdiges und würdiges Leben; über Vergiftungen, Massenvernichtungen …. Es gibt definitiv zahllose Themen.

Livemusik

Nachdem ich Silvester auch in der Metropole verbrachte und einige Biere bei Livemusik bis in die frühen Morgenstunden genossen hatte, wollte ich eigentlich wenige Tage nach Neujahr weiterfahren. Aufgrund eines gestörten Magens verweilte ich aber noch bis zum 10.01.2020 in Istanbul und setzte mich dann endlich in Richtung Ankara in Bewegung.

Abschiedsgruß

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